Fonds Wissen 2.0

Der Einfluss der US Immobilienkrise auf die Börsenentwicklung

14th Februar 2008

Der Einfluss der US Immobilienkrise auf die Börsenentwicklung

Veröffentlicht in Allgemein |

Die letzten Wochen waren geprägt von heftigen Turbulenzen an allen Aktienmärkten rund um den Globus. Kein Leitindex, der nicht zweistellige Einbußen zu verzeichnen hatte. Einen konkreten Auslöser gab es nicht. Die Hypothekenkrise in den USA wurde als Grund für die Abschläge genannt. Was aber hat es damit auf sich? Ist diese Krise wirklich derart gravierend, dass sie Kursverluste historischen Ausmaßes rechtfertigt?

Die Ursache der Krise liegt in einer lockeren Kreditvergabe der Banken in der Vergangenheit. Es wurden Hypothekenkredite an Menschen ausbezahlt, die diese nur bei einem historisch niedrigen Zinsniveau bedienen können. Der Anstieg der Zinsen in den USA führte zu einem überproportionalem Anstieg der Annuitäten, was viele Hausbesitzer in die Zahlungsunfähigkeit führte.

Unter normalen Umständen würde sich eine solche Krise höchstens indirekt über die USA hinaus ausdehnen. Nicht so in der globalisierten Finanzwelt. Die Kredite an die Hausbesitzer wurden von den vergebenden Instituten verbrieft und als Wertpapier an andere Investmentbanken verkauft. Durch die Bündelung vieler verschiedener Kredite zu Paketen sollte das Risiko gestreut werden. In der Realität aber hat diese Praxis dazu geführt, dass der wirkliche Wert eines solchen besicherten Wertpapiers sich nur schwerlich abschätzen lässt.

Die Banken wissen folglich in vielen Fällen nicht, wie groß der ihnen entstandene Schaden im Zusammenhang mit der Immobilienkrise wirklich ist. Das hat unter Anlegern ein großes Misstrauen gegenüber allen Finanztitel hervorgerufen. Die Angst, dass auf die bereits bekannten Abschreibungen weitere folgen könnten, ist groß. Dementsprechend werden insbesondere Banktitel derzeit mit einem Abschlag gehandelt.

Die unternehmensbezogene Besorgnis der Aktionäre ist jedoch nicht die einzige. Auch eine Rezession in den USA und eine damit einhergehende deutliche Verschlechterung der makroökonomischen Rahmenbedingungen trug zu den Kursverlusten der jüngsten Vergangenheit bei.

Der Hintergrund ist, dass die amerikanische Volkswirtschaft als das Zugpferd der Weltwirtschaft gilt und eine Rezession dort weit um sich greifen könnte.

Auch hat die Unklarheit über eventuelle weitere Beteiligungen deutscher und europäischer Banken an Krediten geringer Qualität im amerikanischen Häusermarkt dazu beigetragen, dass sich die Institute untereinander nicht vertrauen. Dieses Misstrauen strahlt auf die Anlege aus. Die EZB hat in der Vergangenheit mehrfach in den Geldmarkt eingegriffen. Solche ungewöhnlichen Maßnahmen werden von der Börse in der Regel skeptisch beurteilt.

Die Faktoren Abschreibungen, Angst vor einer Rezension und die Beunruhigungen durch die Zentralbankaktivitäten tragen nicht zu einem Hausse Klima bei.

Vielmehr gestaltet sich die Stimmung derzeit eher abwartend. Die Anleger wollen erst dann dem Aktienmarkt wieder ihr Vertrauen schenken, wenn alle Auswirkungen der Subprime Krise bekannt sind. Zu groß ist die Angst vor weiteren Überraschungen.

Dieser Eintrag wurde am Donnerstag, Februar 14, 2008 um 18:30 veröffentlicht und ist publiziert unter Allgemein. Hier ist der RSS 2.0 Feed zu dieser Seite. Hinterlasse einen Kommentar oder sende uns einen Trackback von Deiner Seite. Direktlink zur Seite: http://www.fonds-wissen.de/der-einfluss-der-us-immobilienkrise-auf-die-boersenentwicklung.html

Hinterlasse Deine Meinung

Sofern Du Fragen, Antworten oder Verbesserungen zu dem Text hast, teile sie doch uns und unseren Lesern mit. Vielen Dank.



Fonds-Lexikon: A B C D E F G H I K L M N O P Q R S T U V W Z