Börsencrash-Spiegelbild einer globalisierten Welt
Unabhängig davon, ob jemand selbst aktiv an der Börse investiert ist, in den letzten Wochen ging das Thema Börse wohl an niemandem vorbei.
Dramatische Kursverluste an allen Finanzmärkten der Welt erschütterten die Anleger genauso wie die interessierte Öffentlichkeit. Egal ob in Asien, Europa oder dem amerikanischen Kontinent: Überall verzeichneten die Leitindizes starke Abschläge. Die Kurstafeln in den Handelsräumen waren tief rot gefärbt.
Zu Recht stellen sich viele Anleger die Frage, wie ein solch massiver Verlust binnen einer so kurzen Zeit zustande kommen kann. Schließlich existierte kein konkreter Auslöser. Vielmehr wurde als Grund die amerikanische Hypothekenkrise und damit verbundene negative Auswirkungen auf die Konjunktur in den USA und der ganzen Welt genannt. Dieses Damoklesschwert schwebt allerdings schon seit Monaten über dem Aktienmarkt und kann folglich nicht als Ursache für Kursverluste im zweistelligen Prozentbereich herhalten.
Wie aber kamen die Turbulenzen zustande? Ein Blick in die jüngere Börsenhistorie verrät, dass Korrekturen zuletzt deutlich stärker und schneller ausfielen, als es Anleger früher gewohnt waren.
Die Kursgewinne von mehreren Monaten wurden nicht selten in zwei Handelssitzungen zu Nichte gemacht.
Es gibt zwei wesentliche Auslöser dafür. Zum einen arbeiten sowohl private und Institutionelle Anleger immer häufiger mit einem Stop Loss in allen Positionen des Portfolios. Wird eine bestimmte Kursmarke erreicht, lösen Computersysteme automatisch eine unlimitierte Verkaufsorder aus. Dies führt zu einem sehr rasch ansteigenden Angebot in einem ohnehin schwachen Markt, was die Kurse deutlich unter Druck setzt.
Maßnahmen zur Begrenzung von Verlusten sind für Anleger sehr wichtig. Das Portfolio kann so gegen drastische Verluste geschützt werden. Benutzen aber sehr viele Marktteilnehmer diese Methode, kann die Kursentwicklung turbulente Züge annehmen, weil der Verkaufsdruck sehr schnell und in sehr hohem Volumen eintritt. So kommt ein Mechanismus ins Rollen, der einen Crash auslöst. Je stärker sich die Verluste ausweiten, desto mehr Stop Schwellen werden berührt und folglich zu weiteren Verkäufen führen, was wiederum den Druck auf die Kurse erhöht.
Dies ist aber nur die eine Ursache für einen Crash, wie wir ihn in den vergangenen Wochen erlebt haben. Für Daytrader und Hedgefonds bieten turbulente Zeiten nämlich lukrative Gewinnmöglichkeiten. Shorten heißt hier die Devise. Mit Leerverkäufen von Aktien, die zuvor geliehen wurden, versuchen Trader Profite zu machen. Das Ziel ist, die geliehenen Papiere später zu einem Preis wieder einzukaufen, der unter dem Verkaufskurs liegt. Rutschen die Kurse ab, sehen diese Anleger da als Anlass, Blankogeschäft zu tätigen. Hierdurch werden weitere Kursverluste verursacht.
Ein Crash besteht also im Zusammenwirken verschiedener, das Angebot erhöhender Mechanismen, die gleichzeitig in einem relativ schmalen Zeitfenster eintreffen.
gepostet um 17:24